Wenn Gespräche nicht mehr weiterführen.
Konflikte gehören zum menschlichen Zusammenleben. Doch manchmal verhärten sich unterschiedliche Sichtweisen so sehr, dass ein offenes Gespräch kaum noch möglich erscheint.
Vorwürfe, Rechtfertigungen oder Rückzug treten an die Stelle eines wirklichen Austauschs. In der Konfliktklärung und Mediation entsteht ein geschützter und neutraler Raum, in dem die verschiedenen Perspektiven gehört und neue Wege im Umgang miteinander entwickelt werden können.

Wenn ein Konflikt immer größer wird
Am Anfang steht vielleicht nur eine unterschiedliche Meinung, ein unerfüllter Wunsch oder ein Missverständnis. Doch wenn ein Konflikt länger besteht, geht es häufig irgendwann nicht mehr allein um das ursprüngliche Thema.
Frühere Verletzungen kommen hinzu. Aussagen werden anders verstanden, als sie möglicherweise gemeint waren. Gespräche folgen immer wieder demselben Muster und beide Seiten haben zunehmend das Gefühl, nicht gehört, nicht verstanden oder ungerecht behandelt zu werden.
Vielleicht reagiert eine Person mit Vorwürfen, während die andere sich zurückzieht. Vielleicht versucht eine Seite, sich immer ausführlicher zu erklären, während die andere längst nicht mehr zuhören kann. Aus einer Reaktion entsteht die nächste – und der eigentliche Konflikt gerät immer mehr in den Hintergrund.
Hinter den sichtbaren Auseinandersetzungen stehen häufig unterschiedliche Bedürfnisse, Erwartungen und Wahrnehmungen. Erst wenn diese wieder sichtbar und verständlich werden, kann sich auch der Umgang miteinander verändern.
Konfliktklärung oder Mediation?
Persönliche Konfliktklärung
Eine Konfliktklärung kann auch dann beginnen, wenn zunächst nur Du etwas verändern möchtest oder die andere beteiligte Person nicht zu einem gemeinsamen Gespräch bereit ist.
Gemeinsam schauen wir darauf:
- Was geschieht in diesem Konflikt?
- Was löst die Situation in Dir aus?
- Welche Bedürfnisse und Erwartungen stehen dahinter?
- Welche wiederkehrenden Muster sind erkennbar?
- Was kannst Du selbst beeinflussen?
- Welche Grenzen möchtest Du setzen?
- Welcher Umgang mit der Situation kann für Dich stimmig sein?
Dabei geht es nicht darum, die andere Person aus der Ferne zu beurteilen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Du die Situation besser verstehen, Deine eigenen Handlungsmöglichkeiten erkennen und bewusster mit dem Konflikt umgehen kannst.
Mediation
Bei einer Mediation kommen die beteiligten Personen gemeinsam zu mir. Sie entscheiden sich freiwillig dafür, den Konflikt mit Unterstützung eines allparteilichen Vermittlers zu bearbeiten.
Alle Beteiligten erhalten Raum, ihre Wahrnehmung, ihre Interessen und ihre Bedürfnisse darzustellen. Dabei geht es nicht darum, herauszufinden, wer recht hat oder wer den Konflikt verursacht hat.
Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage:
Was braucht es, damit wieder Verständigung und eine gemeinsame Lösung möglich werden können?
Ich gebe die Lösung dabei nicht vor. Die Beteiligten entwickeln ihre Vereinbarungen selbst und entscheiden gemeinsam, welche davon für sie tragfähig und umsetzbar sind.
Wann kann eine Begleitung sinnvoll sein?
Eine Konfliktklärung oder Mediation kann hilfreich sein, wenn …
- Gespräche immer wieder in Vorwürfen oder Rechtfertigungen enden.
- eine oder mehrere Personen sich nicht gehört oder verstanden fühlen.
- wichtige Themen nicht mehr angesprochen werden können.
- ein Konflikt bereits länger besteht und sich zunehmend verhärtet.
- unterschiedliche Bedürfnisse oder Erwartungen aufeinandertreffen.
- Verletzungen und Missverständnisse zwischen den Beteiligten stehen.
- gemeinsame Entscheidungen getroffen werden müssen.
- eine private oder berufliche Beziehung durch den Konflikt belastet wird.
- trotz der Auseinandersetzung weiterhin eine Verbindung oder Zusammenarbeit bestehen bleibt.
- Du Dir einen anderen Umgang mit einer schwierigen Situation wünschst.
Mögliche Anlässe können Konflikte in der Familie, im Freundeskreis, in der Nachbarschaft oder im beruflichen Umfeld sein. Auch Spannungen zwischen Kollegen, Geschäftspartnern, in Teams oder gemeinsamen Projekten können zum Ausgangspunkt einer Konfliktklärung oder Mediation werden.
Dabei muss der Konflikt noch nicht vollständig eskaliert sein. Häufig ist es hilfreich, sich bereits dann Unterstützung zu holen, wenn Gespräche zunehmend schwieriger werden oder sich erste Fronten bilden.
Verstehen bedeutet nicht, einer Meinung zu sein
Zwei Menschen können dieselbe Situation erleben und dennoch etwas völlig Unterschiedliches wahrnehmen.
Was für die eine Person nur eine beiläufige Bemerkung war, kann die andere als Abwertung erlebt haben. Was für einen Menschen wie Rückzug aussieht, kann für den anderen ein notwendiger Schutz sein. Und hinter einem Vorwurf kann sich ein bisher nicht ausgesprochenes Bedürfnis verbergen.
In der Konfliktklärung geht es deshalb nicht darum, eine einzige richtige Sichtweise festzulegen. Es geht darum, neugierig darauf zu werden, wie die Beteiligten die Situation jeweils erleben und was hinter ihren Reaktionen steht.
Verstehen bedeutet dabei nicht, einer Meinung sein zu müssen. Es bedeutet auch nicht, jedes Verhalten gutzuheißen oder eigene Grenzen aufzugeben.
Doch wenn unterschiedliche Wahrnehmungen und Bedürfnisse wieder ausgesprochen und gehört werden können, verändert sich häufig auch der Blick auf den Konflikt. Aus gegenseitigen Schuldzuweisungen kann allmählich die gemeinsame Frage entstehen:
Wie können wir mit dem, was zwischen uns steht, zukünftig anders umgehen?
Meine Rolle in der Mediation
Ich verstehe meine Rolle nicht darin, zu beurteilen, wer recht hat oder wer sich verändern müsste. Ich bin weder Richter noch Schiedsrichter und treffe keine Entscheidungen für die Beteiligten.
Als allparteilicher Vermittler achte ich darauf, dass jede Perspektive ihren Raum erhält und alle Beteiligten mit ihren Anliegen gehört werden können.
Allparteilichkeit bedeutet für mich, mich nicht auf eine Seite zu stellen und gleichzeitig zu versuchen, die jeweilige Sichtweise und das dahinterliegende Anliegen zu verstehen. Auch wenn die Beteiligten dieselbe Situation ganz unterschiedlich wahrnehmen, darf zunächst beides nebeneinanderstehen.
Ich unterstütze Euch dabei, festgefahrene Gesprächsmuster zu unterbrechen, Missverständnisse sichtbar zu machen und hinter den jeweiligen Positionen die Interessen und Bedürfnisse zu erkennen.
Die Gespräche finden in einem respektvollen und vertraulichen Rahmen statt. Die Verantwortung für Entscheidungen und mögliche Vereinbarungen bleibt jedoch immer bei Euch.
Wie läuft eine Mediation ab?
Jeder Konflikt ist anders. Deshalb gibt es keinen starren Ablauf, der für jede Situation gleichermaßen passt. Dennoch folgt eine Mediation grundsätzlich einigen aufeinander aufbauenden Schritten.
Erstes Kennenlernen und Klärung des Auftrags
Zu Beginn schauen wir gemeinsam auf die aktuelle Situation. Was ist geschehen? Wer ist beteiligt? Was soll in der Mediation geklärt werden? Dabei besprechen wir auch die Rahmenbedingungen und prüfen, ob eine gemeinsame Mediation für Euer Anliegen geeignet ist.
Themen und Sichtweisen sammeln
Alle Beteiligten erhalten die Möglichkeit, ihre Wahrnehmung des Konflikts darzustellen. Dabei werden zunächst die Themen gesammelt, die für eine gemeinsame Klärung wichtig sind.
Es geht noch nicht darum, sofort eine Lösung zu finden. Zunächst soll sichtbar werden, was die Beteiligten jeweils beschäftigt und wie sie die bisherige Entwicklung erlebt haben.
Interessen und Bedürfnisse verstehen
Hinter gegensätzlichen Positionen liegen häufig nachvollziehbare Interessen und Bedürfnisse. Während sich die Positionen scheinbar ausschließen, können die dahinterliegenden Anliegen manchmal neue Möglichkeiten eröffnen.
Wir schauen deshalb genauer hin:
- Worum geht es jedem Beteiligten wirklich?
- Was ist ihm besonders wichtig?
- Was soll geschützt oder bewahrt werden?
- Welche Befürchtungen stehen einer Lösung möglicherweise im Weg?
- Was braucht es, damit wieder Bewegung entstehen kann?
Lösungsmöglichkeiten entwickeln
Auf Grundlage dieses besseren Verständnisses sammeln und entwickeln die Beteiligten unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten.
Dabei darf zunächst auch kreativ gedacht werden. Noch muss nicht jede Idee sofort passend oder umsetzbar sein. Im nächsten Schritt wird gemeinsam geprüft, welche Vorschläge den verschiedenen Interessen möglichst gerecht werden und von allen Beteiligten mitgetragen werden können.
Vereinbarungen treffen
Wenn eine gemeinsame Lösung gefunden wurde, können die Ergebnisse und Vereinbarungen konkret festgehalten werden.
Dabei ist wichtig, dass für alle Beteiligten klar ist:
- Was wurde vereinbart?
- Wer übernimmt welche Aufgabe?
- Bis wann soll etwas geschehen?
- Wie wird mit zukünftigen Schwierigkeiten umgegangen?
- Wann soll überprüft werden, ob die Vereinbarung funktioniert?
Wie viele Gespräche dafür notwendig sind, hängt vom Konflikt, seiner bisherigen Entwicklung und den beteiligten Personen ab. Manche Anliegen lassen sich in wenigen Terminen klären. Andere benötigen mehr Zeit und mehrere aufeinander aufbauende Gespräche.
Verständigung beginnt mit Zuhören.
Ein Konflikt muss nicht erst vollständig eskalieren, bevor Unterstützung sinnvoll sein kann. Manchmal entsteht bereits dadurch etwas Neues, dass alle Beteiligten wieder Raum bekommen, ihre Sicht darzustellen und einander anders zuzuhören.
Vielleicht ist eine gemeinsame Mediation der passende Weg. Vielleicht möchtest Du zunächst allein Klarheit darüber gewinnen, wie Du mit einer schwierigen Situation umgehen kannst.
Du musst die Lösung noch nicht kennen. In einem ersten Gespräch können wir gemeinsam schauen, was Dich oder Euch beschäftigt und welche Form der Begleitung für das Anliegen stimmig sein kann.
